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Martial: Männer, Frauen, Liebe

Männer (!)

III,26

Praedia solus habes et solus, Candide, nummos,

   aurea solus habes, murrina solus habes,

Massica solus habes et Opimi Caecuba solus,

   et cor solus habes, solus et ingenium

omnia solus habes – hoc me puta velle negare! –

   uxorem sed habes, Candide, cum populo.

 

Landgüter hast du für dich allein und für dich allein, Candidus, Gelder,

goldenes Geschirr hast du für dich allein, Gefäße aus Achat für dich allein,

Massikerwein hast du für dich allein und Caecuber des Opimius(jahrgangs) für dich allein,

und Verstand hast du für dich allein, für dich allein auch Talent.

Alles hast du für dich allein – und glaube nicht ich wollte das leugnen! –,

aber deine Frau hast du, Candidus, mit allen gemeinsam.

(Holzberg)

 

I.84

Uxorem habendam non putat Quirinalis,

cum velit habere filios, et invenit

quo possit istud more: futuit ancillas

domumque et agros implet equitibus vernis.

Pater familiae verus est Quirinalis.

 

Quirinalis glaubt, eine Gattin müsse er nicht haben,

obwohl er Söhne haben will, und er fand heraus,

auf welche Weise er das (ermöglichen) kann: er fickte seine Mägde

und füllt so Haus und Äcker mit Ritter-Sklaven.

Ein wahrer pater familiae ist Quirinalis.

(Holzberg)

 

VIII.31

Nescio quid de te non belle, Dento, fateris,

   coniuge qui ducta iura paterna petis.

Sed iam supplicibus dominum lassare libellis

   desine et in patriam serus ab urbe redi:

nam dum tu longe deserta uxore diuque

   tres quaeris natos, quattuor invenies.

 

Etwas Komisches, Dento, gestehst du von dir, wenn du Ehemann

um das Dreikinderrecht erst durch Gesuch dich bewirbst.

Nein! Hör auf mit dem Bittgesuch den Herrn zu ermüden

und kehr endlich von Rom wider nach Hause zurück!

Denn dieweil du in der Fern die Gattin verlässt und solange

nach drei Kindern verlangst, findest du sicher schon vier.

(Helm)

 

II.7

Declamas belle, causas agis, Attice, belle,

   historias bellas, carmina bella facis,

componis belle mimos, epigrammata belle,

   bellus grammaticus, bellus es astrologus,

et belle cantas et saltas, Attice, belle,

   bellus es arte lyrae, bellus es arte pilae.

Nil bene cum facias, facias tamen omnia belle,

  Vis dicam quid sis? Magnus es ardalio.

 

Du deklamierst recht schön, sprichst Atticus, schön vor den Richtern;

deine Geschichten sind schön, schön, was an Versen du machst.

Mimen verfasst du schön, verfasst auch schön Epigramme,

bist als Grammatiker schön, als Astrologe auch schön,

und du singst auch schön, weißt, Atticus, schön auch zu tanzen,

spielst die Leier gar schön, ebenso schön mit dem Ball.

Nichts machst du gut, doch alles recht schön. Soll ich dir nun sagen,

was du bist? Du bist groß aber als Pfuscher allein.

 

XII.39

Odi te, quia bellus es, Sabelle.

Res est putida, bellus et Sabellus,

bellum denique malo quam Sabellum.

Tabescas utinam, Sabelle belle.

 

Ich mag dich nicht, weil du bellus bist, Sabellus.

Etwas Scheußliches ist das, ein bellus und Sabellus,

und bellum will ich am Ende lieber als Sabellus,

Mögest du verfaulen, Sabelle belle.                                  (Holzberg)

Ehe (?)

 

VIII, 12

Uxorem quare locupletem ducere nolim

   quaeristis? uxori nubere nolo meae.

inferior matrona suo sit, Prisce, marito:

   non aliter fiunt femina virque pares.

_________________

uxorem ducere: heiraten (aus Sicht des Mannes)

nubere (+ Dat): eigentlich: den Schleier nehmen für; heiraten (aus Sicht der Frau)

 

Weshalb ich mir keine reiche Frau nehmen möchte,

fragt ihr. Ich möchte nicht von meiner Frau geheiratet werden.

Untergeordnet sei die Ehefrau ihrem Mann, Priscus;

anders werden Mann und Frau nicht gleich.        

(Barié)

 

XI, 19

Quaeris, cur nolim te ducere, Galla? Diserta es.

   Saepe soloecismum menula nostra facit.

_________________

disertus: redegewandt

soloecismus: gramatikalischer Fehler

 

Du fragst, warum ich dich nicht heiraten will, Galla? Du bist redegewandt.

         Oft macht mein Schwanz einen grammatikalischen Fehler.

 

I, 10

Petit Gemellus nuptias Maronillae

et cupit et instat et precatur et donat.

Adeone pulchra est? Immo foedius nil est.

Quid ergo in illa petitur et placet. Tussit.

 

Gemellus will die Hochzeit mit Maronilla

und wünscht’s und drängt und bittet und schenkt.

So schön ist sie? Ach wo, hässlicher ist nichts.

Was also sucht er bei ihr, was gefällt ihm? Sie hustet.

 

 X, 8

Nubere Paula cupit nobis, ego ducere Paulam

   nolo: anus est. Vellem, si magis esset anus.

 

Paula will mich heiraten, heiraten will ich Paula

nicht: Sie ist eine alte Frau. Ich wollte schon, wenn sie noch älter wäre.

 

III, 8

„Thaida Quintus amat.“ Quam Thaida? „Thaida luscam.“

   Unum oculum Thais non habet, ille duos.

 

„Quintus liebt Thais.“ Welche Thais? „Die einäugige Thais.“

Ein Auge fehlt Thais, jenem zwei.

 

Todesfälle

IX, 78

Funera post septem nupsit tibi Galla virorum,

   Picentine: sequi vult, puto, Galla viros.

 

Nach der Bestattung von sieben Ehemännern hat Galla dich geheiratet,

Picentinus: Folgen will Galla, glaube ich, ihren Männern.

 

IV, 24

Omnes quas habuit, Fabiane, Lycoris amicas

   extulit: uxori fiat amica meae.

 

Alle Freundinnen, die sie hatte, Fabianus, hat Lycoris

beerdigt: Ach wenn sie doch die Freundin meiner Frau würde!

 

 

IX.15

Inscripsit tumulis septem scelerata virorum

   ‚Se fecisse’ Chloe. Quid pote simplicius?

 

Es schrieb auf die Grabmäler von sieben Männern die ruchlose

Chloe: VXOR FECIT. Was könnte simplicius sein?

(Holzberg)

  

X, 43

Septima iam, Phileros, tibi conditur uxor in agro.

   Plus nulli, Phileros, quam tibi, reddit ager.

 

Schon die siebte Frau, Phileros, hast du auf deinem Land begraben.

Keinem, Phileros, kann sein Land mehr Ertrag bringen als dir.

 

 

Mädchenideal ganz ernst gemeint(?)

I, 57

Qualem, Flacce, velim, quaeris nolimve puellam?

   Nolo nimis facilem difficilemque nimis.

Illud quod medium est atque inter utrumque probamus:

   Nec volo quod cruciat, nec volo quod satiat.

 

Welch ein Mädchen ich mag oder nicht mag, fragst du mich, Flaccus?

Mag nicht, die gar zu bereit, noch die zu spröde sich zeigt.

Gerade ein Mittelmaß und was zwischen beidem, gefällt  mir.

Mag nicht, die mich erst quält, mag nicht die Überdruss weckt.

(Helm)

 

IX, 32

Hanc volo, quae facilis, quae palliolata vagatur,

   hanc volo, quae puero iam dedit ante meo,

hanc volo, quam redimit totam denarius alter,

   hanc volo, quae pariter sufficit una tribus,

Poscentem nummos et grandia verba sonantem

   possideat crassae mentula Burdigalae.

 

Wünsch mir ein Lieb, das bereit, das im Dirnenmäntelchen wandelt,

wünsch mit ein Lieb, das zuvor schon meinem Burschen sich gab,

wünsch mit ein Lieb, das man ganz für zwei Denare erstehn kann,

wünsch mir ein Lieb, das zugleich dreien auf einmal genügt.

Wenn eine Gelder verlangt, großartige Phrasen daherschwatzt,

nehme sie nur für sein Ding, kommt einer fett aus Bordeaux.

(Helm)

 

 

Potenzprobleme (?!)

 

III.75

Stare, Luperce, tibi iam pridem mentula desît,

   luctaris demens tu tamen arrigere.

sed nihil erucae faciunt bulbique salaces

   inproba nec prosunt iam satureia tibi.

Coepisti puras opibus corrumpere buccas:

   sic quoque non vivit sollicitata Venus.

Mirari satis hoc quisquam vel credere possit,

   quod non stat, magno stare Luperce tibi?

 

Zu stehen Lupercus, hat dir dein Schwanz längst aufgehört,

(aber) du Narr mühst dich dennoch ab, einen Steifen zu kriegen.

Doch nichts bewirken Rauken und aufgeilende Zwiebeln,

und das schamlos (machende) Saturei nützt dir auch nicht.

Du hast schon begonnen (durch Zahlen) mit deinem Vermögen (jungfräulich) reine Backen zu besudeln,

aber auch so aufgereizt lebt deine Lust nicht (mehr auf).

Könnte einer sich genug darüber wundern oder dies glauben,

dass, was nicht steht, dir, Lupercus, teuer zu stehen kommt.

(Holzberg)

 

XI. 97

Una nocte quater possum: sed quattuor annis

   si possum, peream, te Telesilla semel.

 

In einer einzigen Nacht kann ich viermal. Aber wenn ich in vier Jahren mit dir, Telesilla, ein einziges Mal kann, will ich des Todes sein.

(Holzberg)

  

 

Kurioses und Obszönes

 

VII.75

Vis futui gratis, cum sis deformis anusque.

   res perridicula est: vis dare nec dare vis.

 

Du willst umsonst gefickt werden, obwohl du hässlich und ein altes Weib bist.

Das ist höchst lächerlich: Du willst dare und willst nicht dare.

(Holzberg)

 

VI, 36

Mentula tam magna est, quantus tibi, Papyle, nasus,

ut possis, quotiens arrigis, olfacere.

 

Dein Schwanz ist so groß wie deine Nase, Papylus,

damit du, sooft du ihn aufrichtest, (daran) riechen kannst.

 

XII, 20

Quare non habeat, Fabulle, quaeris

uxorem Themison? Habet sororem.

 

Weshalb, so fragst du Fabullus, hat Themison

keine Frau? Er hat ein Schwester.

 

X, 84

Miraris, quare dormitum non eat Afer?

   Accumbat cum qua, Caediciane, vides.

 

Du wunderst dich, warum Afer nicht schlafen geht?

Du siehst doch, Caedicianus, mit wem er sich hinlegt.

 

XI, 62

Lesbia se iurat gratis numquam esse fututam.

   Verum est. Cum futui vult, numerare solet.

 

Lesbia schwört, dass sie niemals gratis gevögelt worden ist.

Wahr ist’s. Wenn sie gevögelt werden will, pflegt sie zu zahlen.

 

 XI.47

Omnia femineis quare dilecta catervis

   balnea devitat Lattara? Ne futuat.

Cur nec Pompeia lentus spatiatur in umbra

   nec petit Inachidos limina? Ne futuat.

Cur Lacedaemonio luteum ceromate corpus

   perfundit gelida virgine? Ne futuat.

Cum sic feminei generis contagia vitet,

   cur lingit cunnum Lattara. Ne futuat.

 

Weswegen meidet Lattara alle Bäder, die Scharen von Frauen lieben? Damit er nicht ficken muss.

Warum spaziert er nicht gemächlich im Schatten der (Säulenhalle) des Pompeius und sucht nicht die (Tempel)schwelle der Inachus-Tochter (Isis) auf? Damit er nicht ficken muss.

Warum bespült er den mit spartanischer Salbe beschmierten Körper mit dem Wasser der eisigen Virgo? Damit er nicht ficken muss.

Wenn er so sehr den Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht meidet, warum leckt Lattara dann Fotzen? Damit er nicht ficken muss.

(Holzberg)

 

 

Der echte Martial (?)

 

X.47

Vitam quae faciant beatiorem,

iucundissime Martialis, haec sunt:

res non parta labore, sed relicta;

non ingratus ager, focus perennis;

lis numquam, toga rara, mens quieta;

vires ingenuae, salubre corpus;

prudens simplicitas, pares amici;

convictus facilis, sine arte mensa;

nox non ebria, sed soluta curis

non tristis torus et tamen pudicus;

somnus, qui faciat breves tenebras.

quod sis esse velis nihilque malis;

summum nec metuas diem nec optes.

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