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Wert des Sprachzugs

Sprachenlernen im Sprachlichen Profil - ein Thesenpapier

Einige Gründe für einen intensiven Sprachunterricht und für die gemeinsame Bemühung aller Lehrenden um die Sicherung des sprachlichen Profils an der Schule (Die folgenden Thesen versuchen lediglich, den Wert des Sprachunterrichts und des sprachlichen Profils zu klären, sie wenden sich nicht gegen andere Fächer oder Fachgruppen):

1. Sprachunterricht fördert das Denkvermögen

Sprachen fördern logisches, analytisches und bildhaftes Denken zugleich, und zwar in einer Vernetzung der drei Denkebenen, die so intensiv nur bei Sprachen möglich ist.

2. Sprachunterricht fördert Kritikfähigkeit und Medienkompetenz

Im Sprachunterricht setzt man sich oft kritisch mit Texten auseinander (verstehen, analysieren, deuten, werten, kritisieren...). So lernen SchülerInnen den eigenständigen Umgang mit sprachlichen Mitteilungen aller Art (Vom Liebesbrief bis zum Lexikon) und erwerben so die heute dringend nötige Kompetenz im Umgang mit Medien, Schriftverkehr etc.

3. Sprachunterricht fördert Ausdrucksfähigkeit

Wer drei Sprachen gelernt hat, musste im Laufe seiner Schulkarriere unzählige Male sehr genau über eigene und fremde Formulierungen nachdenken, musste Ausdrucksvarianten finden und die passenden heraussuchen, hat die Fähigkeit, seine Anliegen in Worte zu fassen, mit Sicherheit intensiv trainiert.

4. Sprachunterricht lehrt lernen

Wer Sprachen lernt, muss früher oder später gelernt haben, zu lernen (Vokabeln, Grammatik, Textinhalte, Systemstrukturen, Modelle...), auch langfristig zu lernen, da im Prinzip jeder Lernstoff immer gebraucht wird.

5. Sprachunterricht kann Selbstbewusstsein steigern

Im modernen Fremdsprachenunterricht bekommen SchülerInnen immer wieder die Chance, Hemmungen zu überwinden, wenn es darum geht, sich in unsicherem Terrain (fremde Sprache) zurechtzufinden.

Je mehr und je besser einer Sprachen beherrscht, um so weniger verunsichern ihn fremdwortreiche und fremdsprachliche Umgebungen (wer sich artikulieren kann, braucht weniger Angst zu haben).

6. Sprachunterricht kann die Identitätsfindung fördern

Sich mit Themen und Lebensweisen aus anderen Ländern zu beschäftigen, fördert die Auseinandersetzung mit mir selbst. Das Eigene entdecke ich immer leichter am Fremdem. Insofern dient eine intensive Sprachschulung auch der Selbstfindung.

7. Sprachunterricht ist ‘philosophische’ Grundausbildung

Sprache ist das Medium, in dem ein Mensch denkt, träumt, sein Leben gestaltet (Sprache ist Welt, die verstanden worden ist - nur was ich sprechen, in klare Worte fassen kann, habe ich verstanden). Insofern ist eine bestmögliche Sprachschulung - vor allem eine kontrastive im Vergleich mit anderen Sprachen - immer hilfreich.
Durch die Auseinandersetzung mit z.T. völlig anderen Lebensweisen, Mentalitäten etc. wird Verständnis für andere Kulturen und Lebensweisen erworben, eine Fähigkeit, die angesichts der Ausländerproblematik einen hohen Stellenwert bekommt.

8. Globalisierung und Stellenprofile fordern intensivsten Sprachunterricht

In einer Welt der zunehmenden Globalisierung und internationalen Vernetzung ergibt sich die Notwendigkeit einer guten Sprachkompetenz von alleine. Sprachkompetenz, Kommunikationsfähigkeit und interkulturelle Fähigkeiten stehen zudem bei Bewerbungen - auch bei technikorientierten Unternehmen - immer unter den ersten 5 wichtigsten Einstellungskriterien (siehe unten).

9. Was Hänschen nicht lernt ....

Im Unterschied zu berufsbezogenem Fachwissen, das während des Studiums bzw. der Ausbildung garantiert erworben wird, werden - außer bei Sprachberufen - Sprachkenntnisse außerhalb der Schule gar nicht oder nur sehr begrenzt geschult (Wirtschaftsenglisch als Ausnahme).

10. Recht auf Ausbildung

Es gibt eine beträchtliche Zahl von SchülerInnen, deren Begabung eindeutig im sprachlichen Bereich liegt. Diese haben ein Recht auf eine ihrer Begabung entsprechende Ausbildung, also auf den Unterricht im sprachlichen Profil, für den wir sorgen müssen.

11. Sprachkenntnis ermöglicht anderen Urlaub

12. „Wir haben nie gelernt, uns zu artikulieren...“

Immer wieder ist zu hören und zu lesen, dass eine der Hinterlassenschaften des DDR-Systems eine nicht sehr hoch entwickelte Ausdrucksfähigkeit, vor allem in der freien Rede coram publico sei. Sollte dies zutreffen, müssten wir gerade besonderen Wert auf die Möglichkeit einer intensiven Sprachausbildung im sprachlichen Profil Wert legen.

13. "2 + 1 > 3"

All dies leisten natürlich auch zwei Fremdsprachen, jedoch wird im sprachlichen Profil durch verschiedenste Synergie-Effekte nicht bloß eine dritte Fremdsprache hinzuaddiert, sondern die Wirkung potenziert sich.

14. Das sprachliche Profil macht unsere Schule attraktiv

15. Sprachunterricht benachteiligt nicht

Durch die präzisierten Lehrpläne in den Naturwissenschaften werden laut Kultusministerium die wesentlichen Wissenslücken der SchülerInnen aus dem Sprachprofil gegenüber denen aus dem mathematisch - naturwissenschaftlichen Profil vermieden.

16. Sprachunterricht vermittelt alle Schlüsselqualifikationen der gymnasialen Bildung:

1. allgemeine geistige Fähigkeiten: logisches Denken

Abstraktiosnvermögen

Kombinationsvermögen

analytische Fähigkeiten

Urteilsvermögen

Lernfähigkeit

2. kreative Fähigkeiten

Erfindungsgabe

Gestaltungsgabe

bildhaftes Denken

Improvisationsgabe

3. kommunikative Fähigkeiten

Zuhörenkönnen

Ausdrucksfähigkeit

Gesprächsfähigkeit

Überzeugungskraft

Menschenkenntnis

Internationalität

4. Arbeitstechnische Fähigkeiten

Arbeitsorganisation

Systemverständis

Systematik

Initiative

realistische Aufgabenbeurteilung


Umfrage unter deutschen führenden Unternehmen zur erwarteten Qualifikation im mittleren Management

    „Bitte nennen Sie stichwortartig die drei wichtigsten Anforderungen, die Sie an potentiellen Führungsnachwuchs stellen!“

    Persönlichkeit, soziale Kompetenz, Internationalität, Kreativität (ABB)

    Gutes bis sehr gutes Fachwissen einschließlich Fachpraktika, soziale Kompetenz und Flexibilität, Internationalität(BASF)

    Sehr gute Studienergebnisse, breites solides Grundlagen- und Basiswissen, soziale und kommunikative Kompetenz (Bayer)

    Persönlichkeit, Studienleistungen, Berufserfahrungen. Als Zusatzqualifikation erwarten wir Auslandserfahrung, Sprachen sowie Methoden-Know-how (Daimler-Benz)

    Starke Persönlichkeit, entsprechende soziale Kompetenz, interkulturelle Formalqualitäten (Lufthansa)

    Solides fachliches Fundament verbunden mit studienbegleitenden einschlägigen Praxiserfahrungen (längere Praktika, freie Mitarbeit), eine hohe soziale Kompetenz mit einem angemessenen Maß an Durchsetz-ungsvermögen und ausgeprägter Ziel- und Ergebnisorientierung sowie Mobilität und Fremdsprachenkenntnisse, besonders in Englisch (Telekom)

    Kommunikationsfähigkeit, Begeisterungsfähigkeit, Flexibilität (Hewlett Packard)

    Fachliche Eignung, sprachliche Fähigkeiten, Persönlichkeit /Aus-strahlung (Höchst)

    Geschäfts- und Kundenorientierung; Sozialkompetenz/Teamarbeit; analytisch-konzeptionelle Fähigkeiten (IBM)

    Fachkompetenz, soziale Kompetenz, zügiges und gutes Studium (Mannesmann)

    Qualifizierte, einschlägige Ausbildung mit entsprechendem Spezialwissen, anwendungsfähige Fremdsprachenkenntnisse und gute EDV- Anwenderkenntnisse (Rewe)

    Fachwissen, soziale Kompetenz, interkulturelles Verständnis (Siemens)

    Fachkompetenz, soziale Kompetenz, Fremdsprachenkenntnisse, wobei gute Kenntnisse in zwei Fremdsprachen als besonders erfreulich gewertet werden (Thyssen)

    Weitere Entwicklungsmöglichkeiten im Konzern, praktische Erfahrungen, Fach- und Sozialkompetenz (Veba)

Hervorgehoben sind die Anforderungen, die durch einen intensiven Sprachunterricht gefördert werden)

10.4.97, Christoph-Graupner-Gymnasium Kirchberg (Werner Santo)


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